Kommentar: „Die Edits bringen mir Bookings“


Kommentar von Benjamin Reibert

Edits sind beliebt, das ist offensichtlich. Wankelmuts Bearbeitung des Songs „One Day / Reckoning Song“, der vom israelischen Folk-Rock-Musiker Asaf Avidan stammt und später offiziell als Remix veröffentlicht wurde, verbrachte im vergangenen Jahr mehr als sieben Wochen auf Platz 1 in den deutschen Charts. Anfänglich zeigte sich der Israeli von der Version des deutschen DJs nicht begeistert und weigerte sich zunächst, den Remix zu releasen. Im Nachhinein soll er aber froh gewesen sein, dass das Label das Stück in den Handel brachte.

Sicherlich ist der Spaßfaktor eines Produzenten hoch, alte Tracks, zum Beispiel Werke von Phil Collins oder Michael Jackson, zu bearbeiten und sie vor einer größeren Masse im Club oder auf einem Festival zu spielen. Doch es ist eine Frage des Rechts, der Moral und Ethik, ob man überhaupt eine Bearbeitung erstellen sollte bzw. darf und ihn ausserdem als freien Download verschenkt. Was treibt einen unbekannten DJ bzw. Produzenten dazu, einen Edit zu verscherbeln? Aktuell bieten viele „Musiker“ ihre Versionen via Facebook zum kostenlosen Download an. Ein Like gegen ein erschaffenens Musikstück ist hier das Credo. Neue, aber auch ältere Produzenten, die bereits Veröffentlichungen auf diversen Labels hatten, erhoffen sich durch dieses Verfahren mehr „Gefällt-mir-Angaben“, die zu den gewünschten Bookings führen.

„Die Edits bringen mir die gewünschten Bookings. Wie hätte ich sonst in Clubs in Wien, Ungarn und Berlin spielen können? Mit eigenen Produktionen klappt das nicht sofort und warten, bis meine Tracks bekannt sind, möchte ich nicht,“ rechtfertigt sich ein uns bekannter Musikproduzent, der anonym bleiben möchte.

Aber haben solche unangefragten Edits, über die die Urheber der Original meist nichts wissen, überhaupt eine Daseinsberechtigung? Die Begründung „Weil alle es machen“, die unten im Beispiel auftritt, ist nicht haltbar. Der Urheber eines Musikstücks sollte das Recht haben, zu wissen, dass ein von ihm erschaffenes Musikstück als Edit zum freien Download angeboten wird. Man bearbeitet doch auch kein veröffentlichtes Buch eines Schriftstellers und verschenkt diese Bearbeitung anschließend. Der moralische Aspekt, einen Musiker zu informieren, dass man einen Edit zu dessen Original-Song verschenkt, sollte beachtet werden. Dennoch sollte es nicht verboten werden, Edits zu produzieren.

Sollte ein Edit nicht eine Art Hommage an den Künstler und dessen erschaffenes Musikstück sein? Ja, denn wer das Produzieren von Edits als Geschäft versteht, hat den tatsächlichen Sinn der Produktion eines Edits fehlinterpretiert. Wer die Edit-Produzierung als Karrieresprungbrett nutzen möchte, hat das Prinzip nicht verstanden.

Keineswegs möchte ich jemanden hindern, eine Bearbeitung zu produzieren und zu veröffentlichen, aber man sollte sich die ethische Frage stellen: „Soll ich das wirklich tun?“ Seit der Bekanntmachung des Todes von Lou Reed bekam ich exakt 16 Edits zu seinem Song „Perfect Day“ per Email geschickt, was mich veranlasste, einen Aufschrei zu starten und eine Diskussion zu eröffnen.

Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin Edits, Bearbeitungen, Reworks oder Retouchs auf unserem Blog, aber nicht via Social Media vorstellen, die uns gefallen und eine Qualität bzw. Kreativität aufweisen und nicht nur aus PR-technischen Gründen erstellt wurden. Die Auswahl ist und bleibt hierbei subjektiv.

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Ein Beispiel aus August 2013 vom Label Beatwax Records (Artikel vom Magazin De:Bug):

Ich: Mit Verwunderung mussten wir feststellen, dass du ohne unsere Erlaubnis einfach einen Song genommen hast und neu interpretiert hast.

Wie kommst du denn dazu?

Desweitern würde uns mal interessieren, wie du Dir das Recht herausnimmst, diesen Edit, wie du es nennst, auch noch als Free Downlaod anzubieten und zu berwerben?

Ist Dir denn nicht klar, das Du weder die Rechte noch die Erlaubnis dazu hast?

Er: Danke für diesen super “NETTEN” Hinweis darauf, dass ich keine Rechte an diesem Track habe ..

Um deine Fragen zu beantworten:

Ich habe mir das Recht rausgenommen von diesem Track einen Edit bzw. Remix zu machen, weil er mir sehr gefällt. Meines Wissensstandes nach gibt es auch noch ein paar mehr Herrschaften, die dieses Stück geremixt haben bzw. ihren eigenen Edit daraus gemacht haben. Im Moment ist eine wahre Remix- bzw. Edit-Welle und somit habe ich mir auch gar keinen Kopf um die Rechte gemacht. Das haben aber wohl viele Artists nicht getan, denn ich wüsste auch nicht das ein gewisser Herr namens:

“KANT” Rechte von TOM ODELL erhalten? Ooder hat “Nico Pusch” die Rechte Avicii zu remixen?
ICH GLAUBE NICHT!
ALSO ANTWORT AUF DIE FRAGE WIE ICH MIR DAS RECHT RAUSNEHME IST:

WEIL ES ALLE MACHEN!

Andere Produzenten werden für ihre Bootlegs bzw. Edits hochgelobt und gefeiert ..

Quelle: www.de-bug.de/musik/10800.html